Westerstede Ammerländer Hof

Zeitkapsel gefunden

PS - Bauarbeiter, die Anfang Juni mit Abrissarbeiten am Ammerländer Hof beauftragt waren staunten und rätselten zunächst über das was ihnen da entgegen fiel. Eine Messingkartusche, ähnlich einer alten Granathülse, etwa ein Überbleibsel aus dem Krieg? Es stellte sich schnell heraus, dass es sich dabei nicht um eine „Zeitbombe“ als vielmehr um eine Zeitkapsel handelte. Doch was mochte sie beinhalten, welchen Anlass gab es dafür und wie lange mag sie dort eingemauert auf ihre Entdeckung bereits gewartet haben? Nachdem die massive Messingkartusche aufgesägt wurde, vielen zunächst klöternd und klingelnd ein paar Geldmünzen heraus. Es waren DM-Münzen mit einem Fünfmarkstück, was ein erstes Indiz für das Alter der Zeitkapsel war. Da es sich dabei um den „neueren“ Fünfer handelte, konnte er nur nach 1975 eingemauert worden sein, denn erst ab diesem Jahr wurde der alte „Silbertaler“ durch seinen modernen Pedanten abgelöst.

Aufschluss über das Alter gab letztlich eine in der Kapsel enthaltene Tageszeitung. Sie verriet das genaue Datum - es war der 2. September des Jahres 1980. Ein mit Schreibmaschine beschriebenes Blatt gab auch den Anlass dieser Zeitkapsel preis.

Daraus ging hervor, dass der Ammerländer Hof von der Familie Hobbiejanßen am 1. Januar 1980 an Gerd Degen verkauft wurde. Der neue Eigentümer begann noch im gleichen Jahr mit umfassenden Sanierungs- und Umbauarbeiten um den Hof den Erfordernissen der damaligen Zeit anzupassen. Zudem sollte eine Kegelbahn für zusätzliche Gäste sorgen. Als das gegenüberliegende Hotel zur Traube Anfang 1980 geschlossen wurde, konnte von dort die technische Einrichtung einer Kegelbahnanlage übernommen werden. Jetzt fehlte es nur noch an der passenden Räumlichkeit. Die Grundsteinlegung für eine Kegelbahn war der 2. September 1980 und somit der Anlass für diese Zeitkapsel.

Unterschrieben wurde dieser Brief von den damaligen Stammgästen, denen es offensichtlich ein Anliegen war,  der Nachwelt zu hinterlassen was ihnen am Wichtigsten war – die Preise. So erfahren wir, dass vor vierzig Jahren ein Glas
(0,2 l) Bier noch 1,10 DM, ein Korn nur 0,90 DM und die anschließende Heimfahrt mit dem Taxi im Ort 5,- DM gekostet hat. Die Übernachtung im Ammerländer Hof kostete damals „stolze“ 19,50 DM. Inklusive Frühstück – versteht sich!

Aus heutiger Sicht traumhafte Preise, an die wir dank der Stammgäste und ihrer Zeitkapsel erinnert wurden. Vielleicht wird der heutige Besitzer des Ammerländer Hofs, Mehmet Kurt, der die einstige Kegelbahn jetzt für einen Erweiterungsbau des Hotels nutzt, zur Grundsteinlegung ebenfalls eine Zeitkapsel hinterlassen? Und vielleicht wird auch diese in ferner Zukunft gefunden werden und dann einen kleinen Einblick in die Vergangenheit, unserer amüsanten Gegenwart, gewähren?!